Philemon in Peru


Liebe Freunde,

jetzt ist es schon eine Weile her, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe. In der Zwischenzeit habe ich viel Schönes erlebt und auch viel gearbeitet, wozu ich ja eigentlich hier bin :).

Mitte November bin ich mit meinen Freiwilligendienst-Kollegen mit dem Flugzeug in Pucallpa gelandet. Hier erwartete uns ein bisher nicht gekanntes Peru. Wunderschöne grüne Landschaften, viel Urwald und sehr heiße Temperaturen. Als ich das erste Mal körperlich anstrengend arbeitete, merkte ich was es heißt bei 35°C und über 70% Luftfeuchtigkeit im Dschungel in Südamerika ein FSJ zu absolvieren.

Hier erwarteten mich die abwechslungsreichsten Aufgaben: von Rasen mähen über Erdarbeiten mit dem Schlepper und zuletzt auch die umfassende Arbeit in der Werkstatt. Letzteres ist ein sehr interessantes Gebiet, indem ich z.B. Waschmaschinen, Gasanlagen, Autos, Klimaanlagen usw. reparieren und viel dazulernen kann.

Der Arbeitstag beginnt hier um 7 Uhr mit einer Andacht, um 12 Uhr haben wir knapp 2h Zeit zu kochen, falls es gerade kein Essen im Comedor (Mensa) gibt. Mittags arbeiten wir von 14 Uhr bis kurz nach 17 Uhr.

Ich wohne in einem schönen kleinen Haus mit meinen beiden Freiwilligendienst-Kollegen aus der Nähe von Stuttgart. Das Zusammenleben funktioniert meist sehr gut :). Hier wird man relativ schnell selbstständig, denn ohne etwas selber zu kochen, gibt’s einfach nichts zu essen. Wäsche waschen, Haus putzen, Rasen mähen und Einkaufen gehen gehören zu den wöchentlichen Aufgaben, die oft viel Zeit in Anspruch nehmen.

In der Freizeit gehen wir relativ oft an unser 3km entferntes „Naherholungsgebiet“, die Cocha (See). Diese eignet sich hervorragend um einfach ins Wasser zu springen oder mit dem Motorboot eine Runde Wakeboard zu fahren. In der Cocha ist das Wasser immer angenehm warm, was auch heißt, dass sich dort viele verschiedene Tiere wohlfühlen. Es gibt Schlangen, Stachelrochen, bissige Piranhas, Zitteraale und viele witzig aussehende Fische. Seit einer Weile haben wir die Möglichkeit letztere mit einem speziellen Wurfnetz herauszufischen. Dies hat uns schon leckere Mahlzeiten beschert.

Allgemein kann man hier allerlei lernen. Ich war zwar z.B. schon oft beim Schlachten von Tieren dabei, doch erst hier nutzte ich die Möglichkeit ein paar Hühner komplett zu metzgen (vom Betäuben bis zum Ausnehmen der Innereien).

Auch Schlangen kommen hier ab und zu in der freien Wildbahn vor. Giftige werden sofort mit einem Holzprügel außer Gefecht gesetzt, mit Würgeschlangen hingegen kann man ein bisschen spielen oder ein paar Bilder machen bevor sie ins Gras beißen müssen. Außerdem gibt es unzählige Moskitos, Feuerameisen (die genauso brennen wie sie heißen:), schmerzhafte Riesenwespen und einen Haufen anderer komisch aussehender Viecher.

Im Rahmen meiner Arbeit habe ich immer wieder mit Einheimischen zu tun, mit denen ich dann die Möglichkeit habe, mein Spanisch auszuprobieren. Es ist zwar noch mühsam und gibt viele Missverständnisse, doch der Wortschatz nimmt allmählich zu.

Über die Weihnachtszeit hatten wir Besuch von einem Norweger, den wir auf der Sprachschule kennengelernt haben. Zusammen hatten wir die Chance mit einem Wasserflugzeug der benachbarten amerikanischen Flugmission einen Rundflug über die Stadt Pucallpa und die Station zu machen. Beim ersten Anlauf konnten wir nicht starten, weil sich innerhalb von zehn Minuten ein Sturm über dem See gebildet hatte. Allgemein ist das Wetter hier sehr wechselhaft. Es kann sein, dass man draußen bei 40°C am Schwitzen ist und innerhalb kürzester Zeit schüttet es aus Kübeln. Doch das Beste am Regen ist die darauffolgende Abkühlung!

Am Schluss dieses Rundbriefes kann ich sagen, dass ich mich hier in der Cashibogemeinschaft gut eingelebt habe und mich sehr wohl fühle. Die Arbeit fordert mich heraus, macht mir Spaß und geht nie aus :). Das Schöne hier ist, dass man merkt, dass Gott seine Hände im Spiel hat. Es läuft zwar lange nicht alles perfekt, doch mit Gott findet man immer einen Weg weiterzumachen!

Euer Philemon


" Es ist super aus der bekannten Umgebung rauszukommen und man lernt richtig viel durch und über den Umgang mit anderen Menschen aber auch über sich selbst, zum Beispiel, dass ich gerne ältere Gäste bediene. "

Regine, England